So prüfen Sie Ihr Arbeitszeugnis selbst: 1) die Zufriedenheitsformel (Note), 2) die Vollständigkeit der Pflichtinhalte, 3) die Verhaltensbeurteilung, 4) verdächtige Wörter wie «bemüht» oder «gesellig» und 5) die Schlussformel. Fehlt eines davon, klingt das Zeugnis besser, als es ist.
Ihre Checkliste in 5 Schritten
- Note lesen: Steht «stets zu unserer vollsten oder vollen Zufriedenheit» (gut bis sehr gut) oder nur «zu unserer Zufriedenheit» (genügend)? Die Wörter «stets» und «volle» sind die Schalter.
- Vollständigkeit: Sind Funktion, Aufgaben, Leistung, Verhalten, Schlussformel, Datum und Unterschrift vorhanden? Eine Lücke ist ein eigener Korrekturgrund.
- Verhalten: Werden Vorgesetzte, Kollegen und Kunden genannt, in dieser Reihenfolge? Fehlen die Vorgesetzten, ist das das häufigste stille Signal überhaupt.
- Verdächtige Wörter: «bemüht», «Interesse», «gesellig», oder «pünktlich» als einziges Lob. Das können Codes sein.
- Schlussformel: Bedauern, Dank und Zukunftswünsche, oder auffällig kühl beziehungsweise gar nicht?
Die drei Fallen beim Selberlesen
Erstens das Weggelassene. Man liest, was dasteht, und übersieht, was fehlt. Genau darin liegt aber die häufigste Abwertung: Nicht die negative Aussage über die Vorgesetzten steht im Zeugnis, sondern gar keine.
Zweitens der Zusammenhang. «Er war stets pünktlich» ist für sich genommen positiv. Als einziges Lob in einem Zeugnis für eine Kaderfunktion ist es vernichtend. Einzelne Wörter sagen wenig, ihr Verhältnis zueinander sagt alles.
Drittens deutsche Ratgeber. Ein Grossteil dessen, was man im Netz zu Zeugniscodes findet, stammt aus Deutschland. Vieles davon ist in der Schweiz nicht üblich, manches ist auch dort umstritten oder schlicht Legende. Wer danach liest, findet Codes, die nie gemeint waren.
Sie haben die Checkliste durch, sind aber unsicher? Ich prüfe jede Formulierung im Zusammenhang und gebe Ihnen eine klare Gesamtnote.
Jetzt zur kostenlosen VorprüfungWas eine KI zusätzlich sieht
Eine Maschine ermüdet nicht und kennt keine Wunschauslegung. Sie vergleicht jede Formel mit einem festen Raster, prüft alle Pflichtinhalte auf einmal und rechnet die Note aus den tatsächlichen Markern statt aus dem Gefühl. Genau die drei Fallen oben trifft sie deshalb seltener.
Entscheidend ist aber, woran sie misst. Ein allgemeiner Chat antwortet oft nach deutschem Recht. Ich prüfe fest gegen Art. 330a OR und die vier Grundsätze:
| Allgemeiner Chat | pruefenlassen.ch |
|---|---|
| Allgemeines Wissen, oft deutsches Recht | Fest auf Schweizer Recht (Art. 330a OR, BGE, SECO) |
| Unverbindliche Chat-Antwort | Strukturiert: Note, Codes, Vollständigkeit, Empfehlung |
| Kein dokumentiertes Ergebnis | Abrufbarer Bericht (30 Tage) und versandfertiger Brief |
| Zeugnis mit Namen landet im Chatverlauf | Verschlüsselt, nach 30 Tagen gelöscht, kein Training |
Ehrlich gesagt
Auch die automatische Prüfung hat Grenzen. Sie kennt Ihre Firma nicht, weiss nichts über die Branche und kann nicht beurteilen, ob eine schwache Note womöglich berechtigt ist. Und sie ersetzt im Streitfall keine anwaltliche Beratung.
Für die entscheidende erste Frage, ob Ihr Zeugnis gut ist oder ob sich Codes darin verstecken, bekommen Sie aber in ein bis zwei Minuten eine klare, nachvollziehbare Antwort. Mehr soll das Werkzeug nicht leisten, und weniger auch nicht.
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