Ein Zwischenzeugnis können Sie in der Schweiz während des laufenden Arbeitsverhältnisses bei berechtigtem Interesse verlangen (Art. 330a OR), an das aber keine hohen Anforderungen gestellt werden. Es enthält dieselben Bausteine wie das Schlusszeugnis, ist im Präsens verfasst, und es bindet die spätere Beurteilung nach oben.
Die Sperrwirkung, und warum sie der eigentliche Grund ist
Die meisten verlangen ein Zwischenzeugnis, weil sie sich bewerben wollen. Der grössere Nutzen liegt woanders: Ein einmal erteiltes, gutes Zwischenzeugnis bindet das spätere Schlusszeugnis. Es darf ohne sachlichen Grund nicht schlechter ausfallen.
Damit kehrt sich die Beweislage um. Ohne Zwischenzeugnis stehen Sie am Ende vor einer Note, gegen die Sie schwer ankommen. Mit einem guten Zwischenzeugnis in der Hand muss der Arbeitgeber darlegen, was sich seither verschlechtert haben soll. Das ist im Streitfall mehr wert als jedes Mitarbeitergespräch.
Der richtige Zeitpunkt
Die Faustregel lautet: solange die Person noch da ist, die Ihre Arbeit wirklich beurteilen kann. Nach einem Vorgesetztenwechsel schreibt jemand über Sie, der Sie nie hat arbeiten sehen, und greift dafür auf Aktennotizen zurück, die Sie nicht kennen.
- Wechsel der vorgesetzten Person, der klassische und stärkste Anlass.
- Reorganisation oder Funktionswechsel, auch intern.
- Wirtschaftliche Schwierigkeiten des Arbeitgebers. Wer zuwartet, steht im schlimmsten Fall vor einer Firma, die es nicht mehr gibt, und dann gibt es gar kein Zeugnis mehr.
- Vor einem längeren Unterbruch, etwa Mutterschaft, unbezahltem Urlaub oder Weiterbildung.
- Nach einem grossen abgeschlossenen Projekt, solange der Erfolg noch frisch und zuschreibbar ist.
Ein Zwischenzeugnis ist Ihr Referenzpunkt fürs Schlusszeugnis. Ich prüfe, ob es stark genug formuliert ist, bevor es zu spät ist.
Jetzt zur kostenlosen VorprüfungDie drei Zeugnisarten im Vergleich
| Art | Zeitform | Inhalt |
|---|---|---|
| Zwischenzeugnis | Präsens | Funktion, Aufgaben, Leistung, Verhalten. Kein Austrittsdatum, oft ohne Schlussformel, dafür mit Ausblick. |
| Schlusszeugnis | Präteritum | Dasselbe, dazu Austrittsdatum und Schlussformel. |
| Arbeitsbestätigung | Präteritum | Nur Art und Dauer der Tätigkeit. Leistung und Verhalten sind hier nicht geschuldet, ihr Fehlen ist also kein Mangel. |
Die Arbeitsbestätigung erhalten Sie nur, wenn Sie sie ausdrücklich verlangen. Sie ist im Umlauf eher ein Warnsignal, weil Leserinnen sich fragen, warum Leistung und Verhalten fehlen. Verlangen Sie sie nur mit gutem Grund.
Was Sie mit dem Zwischenzeugnis tun sollten
Lesen, bevor Sie es ablegen. Ein Zwischenzeugnis, das Sie ungeprüft in den Ordner legen, verliert seinen ganzen Wert: Sie merken die schwache Formulierung erst Jahre später, wenn niemand mehr etwas ändern will. Jetzt dagegen sitzt die beurteilende Person noch zwei Türen weiter und hat kein Interesse an einem Streit.
Prüfen Sie deshalb dieselben fünf Punkte wie beim Schlusszeugnis, vor allem die Zufriedenheitsformel und die Vollständigkeit der Verhaltensbeurteilung. Was Sie jetzt korrigieren lassen, steht in ein paar Jahren im Schlusszeugnis wieder da.
War dieser Abschnitt hilfreich?